Das Problem der Zusammenhänge der Drüsen beschäftigt die Mediziner schon ziemlich lange. Nur als Erkrankter wird man man u.U. auf diese Zusammenhänge nicht hingewiesen.
Wir fanden folgenden Artikel in einer Ärztezeitschrift.
"Bei psychischen Störungen stets auch endokrine Ursachen erwägen
Defekte Hormon-„Fabriken“ schlagen aufs Gemüt
von Dr. med. Angelika Bischoff
Fast alle endokrinen Erkrankungen können psychische Symptome hervorrufen – eine Tatsache, die Ärzte bei der Diagnostik oft nicht bedenken.
Es lohnt sich, zunächst die endokrine Funktion von Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse oder Nebennierenrinde zu untersuchen, bevor Symptome wie Depressivität, Ängste, Unruhe oder Lethargie als psychisch bedingt deklariert werden. Darauf machte Dr. med. Harald Jörn Schneider vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung am Krankenhaus München-Schwabing aufmerksam. Der Psychiater erläuterte, bei welchen endokrinen Störungen besonders häufig mit psychischen Symptomen zu rechnen ist.
Dysfunktionen der Schilddrüse
Überschuss an Schilddrüsenhormonen kann zu Stimmungsschwankungen, psychomotorischer Unruhe, Angstzuständen, Depressionen und psychotischen Symptomen führen. Hypothyreosen induzieren oft Depressionen, Lethargie, Psychosen oder Angstsymptome. Nicht selten geht bei Funktionsstörungen der Schilddrüse die psychische Symptomatik den organischen Beschwerden voraus.
Bei akuten psychiatrischen Krankheitsbildern finde sich in ein bis zwei Prozent der Fälle eine bislang nicht erkannte Schilddrüsenerkrankung als Ursache, betonte Schneider. Bei zehn Prozent der Hyperthyreoten ( Überfunktion der Schilddrüse) bleiben psychische Symptome oft längerfristig bestehen, obwohl die Patienten dank thyreostatischer (Hormon)Behandlung wieder euthyreot(normal) sind.
Diabetes mellitus
Wenig beachtet werde in der Praxis, dass Diabetes mellitus sehr häufig mit psychischen Symptomen verbunden ist, so Schneider. Ein Drittel der Patienten sei depressiv, bei bis zu 45 Prozent finde sich eine Angststörung. Diabetiker mit hohen Depressions-Scores weisen auch eine erhöhte Mortalität( Sterberate) auf. Schneider gab zudem zu bedenken, dass Hypoglykämien (Unterzuckerungen) sich häufig mit psychischen Symptomen wie Unruhe, Angst, Tremor, Müdigkeit, Verwirrtheit und Denkstörungen äußern.
Störungen der Nebennierenrinde
Müdigkeit, Apathie, Reizbarkeit, Depressionen und sozialer Rückzug zählen zu den Zeichen der primären Nebennierenrinden-Insuffizienz. Etwa 65 bis 85 Prozent aller Patienten mit Morbus Addison zeigen derlei psychische Symptome. Die Addison-Krise äußert sich in Delir und Psychosen.
Auch ein Übermaß an Kortisol tut der Psyche nicht gut: 45 bis 65 Prozent der Patienten mit Cushing-Syndrom leiden an Depressionen. Auch Angststörungen und Psychosen kommen vor. Die psychiatrischen Symptome verschwinden bei 70 Prozent der Patienten innerhalb eines Jahres, wenn die Grundkrankheit behandelt wird.
Zwar würden endokrine Störungen oft die Psyche beeinflussen, aber auch umgekehrt werde ein Schuh daraus, gab Schneider abschließend zu bedenken. Soll heißen: Psychische Veränderungen können ihrerseits endokrine Krankheitsbilder vortäuschen. Der Psychiater nannte als Beispiele das Pseudo-Cushing-Syndrom bei Depressionen und die psychogene Polydipsie, die den Verdacht auf Diabetes lenkt.
oder:
Forum Schilddrüse e.V. :
Kranke Schilddrüse stört die Diabeteseinstellung
Störungen der Schilddrüse können auch die Zuckerwerte im Blut „durcheinander wirbeln“: Bei Diabetikern kann deshalb die Einstellung des Blutzuckers besonders schwierig werden, wenn eine Schilddrüsenerkrankung hinzukommt.
Dabei ist das Zusammentreffen von Schilddrüsenerkrankung und Diabetes gar nicht so selten. So können beide Erkrankungen altersbedingt gleichzeitig auftreten. Es kann jedoch auch unabhängig vom Alter eine so genannte Autoimmunerkrankung an beiden Stoffwechselstörungen ursächlich beteiligt sein. Fehlgesteuert zielt dann das körpereigene Abwehrsystem auf die Bauchspeicheldrüse, kann aber auch zusätzlich die Schilddrüse „angreifen“ und dort eine Entzündung auslösen. So erkranken Typ I-Diabetiker etwa drei- bis fünfmal häufiger an einer solchen Autoimmunthyreopathie.
Ob „Altersdiabetiker" z.B. mit „heißen“ Schilddrüsenknoten oder Betroffener einer Autoimmunerkrankung: In jedem Fall beeinflussen die Hormone der Schilddrüse die Zuckerwerte und den Insulinbedarf. Bei „Über-“ oder „Unterzuckerungen“ mit unklarer Ursache sollte deshalb unbedingt die Schilddrüse untersucht und eventuell behandelt werden.
Vor allem bei insulinpflichtigen Diabetikern kann sich eine Schilddrüsenfehlfunktion drastisch auswirken: Da bei einem Mangel an Schilddrüsenhormon der gesamte Stoffwechsel auf Sparflamme läuft, wird weniger Insulin im Körper benötigt. Spritzt der Betroffene jedoch die gewohnten Mengen Insulin, sinkt der Blutzucker übermäßig und es drohen schwere Hypoglykämien („Unterzucker“). Gegebenenfalls muss dann bis zur richtigen Einstellung der Schilddrüsenhormone die Insulindosis vorübergehend erniedrigt werden.
Eine Überfunktion der Schilddrüse bewirkt die gegenteilige Stoffwechselentgleisung. Das Zuviel an Schilddrüsenhormonen wirkt hier gleich mehrfach ungünstig auf den Zuckerstoffwechsel: Die Bauchspeicheldrüse produziert weniger Insulin, gleichzeitig benötigt der Körper aber mehr davon. Eine bestehende Insulinresistenz verstärkt sich, das Insulin wirkt immer schwächer in den Körperzellen. Das Ergebnis: stark erhöhte Blutzuckerwerte. Natürlich muss die Ursache hierfür, die Schilddrüsenüberfunktion, entsprechend behandelt werden. Doch auch die Diabeteseinstellung sollte in dieser Zeit angepasst und intensiviert werden, bis die Schilddrüse wieder im Lot ist.
Damit es nicht zu unangenehmen Überraschungen bei der Blutzuckereinstellung kommt, sollten bei Diabetikern einmal im Jahr die Schilddrüsenfunktion untersucht und der so genannte TSH-Wert im Blut gemessen werden. Bei Typ I-Diabetikern ist außerdem die jährliche Bestimmung von Schilddrüsenantikörpern (TPO) sinnvoll, um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse rechtzeitig zu erkennen.






